Methoden
Hintergrund
Nach EU-Recht werden in der Fachinformation zu Antibiotika in Abschnitt 5.1 Angaben zu Antibiotikaresistenzen aufgeführt.
Damit soll sichergestellt werden, dass ein Antibiotikum auch vor dem Hintergrund der Resistenzlage für die Therapie einer
bakteriellen Infektion geeignet ist. Für verschreibende Ärztinnen und Ärzte stellt es in der klinischen Praxis eine Herausforderung
dar, den Überblick über die aktuellen Entwicklungen der Resistenzsituation zu behalten.
Ziel des AntibioResDE-Projektes (Antibiotika-Resistenz Deutschland) ist es, aktuell und fortlaufend Kenntnisse zur
Resistenzinformationen für Antibiotika für Deutschland auf einer elektronischen Plattform zur Verfügung zu stellen, um den Zugang
zu Resistenzdaten für den klinischen Alltag zu vereinfachen. Es leistet einen Beitrag Resistenzentwicklungen und damit
Therapieversagen bei bakteriellen Infektionen zu vermeiden.
AntibioResDE
wurde aktuell als Machbarkeitsstudie vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) von Juli 2023 bis Juni 2026 gefördert und vom
Robert Koch-Institut (RKI) gemeinsam mit dem
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) durchgeführt.
Daten
Als Grundlage für Resistenzdaten wird die Antibiotika-Resistenz-Surveillance
(ARS) am RKI verwendet, da dies die größte und repräsentativste Datenquelle
für Erreger- und Resistenzdaten in Deutschland mit einer Abdeckung von >50% der stationären akutversorgenden Einrichtungen und 43% der
Arztpraxen (Stand: 2024). Hierbei wird auf die Daten nach jährlicher Validierung als zurückgegriffen. Die Methodik ist bei ARS geschildert.
Antibiotika werden nach der AWaRe-Klassifikation der WHO (2023) in 3 Kategorien eingeteilt:
- Access: Antibiotika dieser Gruppe sollen, sofern geeignet, bevorzugt eingesetzt werden.
- Watch: Antibiotika dieser Gruppe sollen gezielt und mit besonderer Zurückhaltung eingesetzt werden.
- Reserve: Diese Antibiotika sind Mittel der letzten Wahl und sollen nur in besonderen Situationen verwendet werden.
Für Deutschland gibt es zusätzlich Reserveantibiotika nach § 35a SGB V. Der Gemeinsamen Bundesausschuss
nimmt hier die Einstufung vor und veröffentlicht die Beschlüsse zu Antibiotika.
Auswertung und Darstellung
Für AntibioResDE werden Isolate aus der klinischen und stationären Versorgung ausgewertet. Es werden entsprechend der Methodik
in ARS Resistenzanteile mit 95% Konfidenzintervallen für jede Erreger-Antibiotikum-Kombination in R-/R-Studio (R version 4.5.1)
berechnet. Hierbei werden Erreger-Antibiotika-Kombinationen berücksichtigt, die gemäß den Fachinformationen im Wirkspektrum der
in Deutschland zugelassenen Antibiotika liegen.
Erreger-Antibiotikum-Kombinationen mit weniger als 70 Isolaten werden von der Darstellung ausgeschlossen.
Die Resistenzanteile werden entsprechend der Darstellung in den Fachinformationen in die Kategorien < 10 %,
10 - 50% und > 50% eingeteilt. Erreger, die für Antibiotika nicht
suszeptibel sind, also bei denen man eine Resistenz erwartet, werden von European Committee on Antimicrobial Susceptibility
Testing (EUCAST) publiziert und als intrinsisch resistent
dargestellt. Wenn für eine Erreger-Antibiotika-Kombination nicht ausreichend Daten vorliegen, d.h. weniger als 70 Isolate vorhanden sind,
wird dies in grau angezeigt.
Antibiotika werden gemäß ihrer AWaRe-Klassifikation eingefärbt: Access, Watch, Reserve
Die vom Gemeinsamen Bundesausschuss definierten Reserveantibiotika nach § 35a SGB V werden als
Reserve-§35a angezeigt. Von diesen bei der Datenauswertung neun zugelassenen Wirkstoffen wurden acht von
der WHO als Reserve eingestuft, für Cefepim/Enmetazobactam liegt noch keine Einstufung durch die WHO vor.
Um das Auffinden von Erreger- und Antibiotika zu vereinfachen, werden Erreger und Antibiotika jeweils in Gruppen klassifiziert.
Für Erreger sind dies:
- Anaerobier
- Gram-negativ: Enterobacterales
- Gram-negativ: Nonfermenter
- Gram-negativ: andere
- Gram-positiv: Enterokokken
- Gram-positiv: Staphylokokken
- Gram-positiv: Streptokokken
- Gram-positiv: andere
- Sonstige.
Für Antibiotika sind dies:
- Beta-Lactam: Penicilline
- Beta-Lactam: Cephalosporine, Carbapeneme, Monobactame
- Chinolone
- Macrolide-Lincosamide-Streptogramine
- Tetracycline
- Folsäure-Antagonisten
- Aminoglykoside
- Andere
Abrufmöglichkeiten
Erreger- und Antibiotika-Gruppen werden alphabetisch sortiert dargestellt, mit jeweils den einzelnen Vertretern in alphabetischer
Reihenfolge.
Auswahl nach Kategorie: Erreger- sowie Antibiotika-Gruppen lassen sich in Menüs auswählen und kombinieren. Zusätzlich können
Erreger durch eine Textausgabe ausgewählt werden.
Informationen in Tooltips
Tooltips, die durch das Platzieren des Mauszeigers erscheinen, fassen sämtliche Informationen für die jeweilige
Erreger-Antibiotikum-Kombination zusammen:
- Erregername
- Antibiotikum
- AWaRe-Kategorie bzw. §35a
- Resistenzanteil
- 95%-Konfidenzintervall
- Anzahl Isolate
Limitationen
Die Limitationen der Datenbank ARS werden bei ARS beschrieben. Erreger-Antibiotikum-Kombinationen mit weniger als
70 Isolaten werden hier nicht dargestellt.
Disclaimer
Die Inhalte, die über die Internetseiten des Robert Koch-Instituts (hier: das Datentool zu ARE) zur Verfügung gestellt werden,
dienen ausschließlich der allgemeinen Information der Öffentlichkeit, vorrangig der Fachöffentlichkeit.
Das Datentool unterstützt das Auffinden und die Einordnung von aktuellen Resistenzinformationen, ersetzt jedoch nicht die individuelle
ärztliche Bewertung, die Beachtung der Fachinformationen, aktueller Leitlinien und Patienten-individueller Charakteristika. Die Inhalte
dieser Internetseiten dienen nicht der Erteilung medizinischer oder anderer Ratschläge oder Anweisungen in Bezug auf Arzneimittel oder
bestimmten Therapien. Die Informationen stellen keine Alternative zur Beratung durch eine Ärztin/einen Arzt oder eine Apothekerin/einen
Apotheker dar. Wer Rat zu spezifischen Gesundheitsproblemen benötigt, wendet sich bitte ausschließlich an eine Ärztin/einen Arzt.
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Open Data
Die im Datensatz bereitgestellten Daten sind, unter Bedingung der Namensnennung des Robert Koch-Instituts als Quelle,
frei verfügbar. Das bedeutet, jede Person hat das Recht die Daten zu verarbeiten und zu verändern, Derivate des Datensatzes zu
erstellen und sie für kommerzielle und nicht kommerzielle Zwecke zu nutzen. Weitere Informationen zur Lizenz finden sich in der
LICENSE
bzw. LIZENZ
Datei des Datensatzes.
Danksagung
AntibioResDE wurde als Machbarkeitsstudie von Juli 2023 bis Juni 2026 gefördert und gemeinsam vom
Robert Koch-Institut und
dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
durchgeführt. Wir danken dem vom Bundesministerium für Gesundheit
für die Förderung.
Wir danken den an ARS teilnehmenden Laboren für ihren Beitrag zur
Surveillance und damit zur Verbesserung der Patientenversorgung in Deutschland.
Info zum Projekt: AntibioResDE
Kontakt: ars@rki.de
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